In den alten Stammeskulturen kannten die Menschen die Visionssuche als ein Suchen nach dem Sinn, ein Ringen um ein Gesicht, eine Möglichkeit der Offenbarung, die Lösung eines Lebensrätsels, den Übergang in ein neues Stadium des eigenen Daseins.
Wer in solchen Zeiten die erprobten Zeremonien und Rituale durchlebte, kam mit einer Vision seines Lebenswegs zurück, fand Anerkennung durch die Ältesten und wurde auf einer höheren Stufe neu in die Gemeinschaft aufgenommen. So spiegelte der persönliche Mythos einen Ausschnitt des kollektiven Lebens wieder. Nur in unseren Sagen und Märchen hören wir noch einen Nachhall davon. In ihnen sind die wesentlichen Elemente der Visionssuche noch benannt. Die Person sieht sich vor eine unlösbar scheinende Aufgabe gestellt und nimmt sie an. Die Aussichtslosigkeit erweist sich als Pforte zu einer irgendwie jenseitigen Welt, die alles Gewohnte übersteigt. Auf ihrem entbehrungsreichen Weg kämpft sie mit unheimlichen Mächten und Ungeheuern, gewinnt dabei ungeahnte Kräfte, erhält wunderbare Hilfe von Tieren, Pflanzen oder Wesen einer Geisterwelt, findet schließlich das Ersehnte und kehrt gereift, mit neuen Einsichten und Gaben, in die Gemeinschaft zurück.
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